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Customer Effort Score (CES): Welcher Wert ist gut / schlecht?

Customer Effort Score (CES): Welcher Wert ist gut / schlecht?

Aktualisiert am 
12.05.2026
Lesezeit: 
8 Minuten

Du hast eine CES-Umfrage ausgewertet und stehst jetzt vor einer Zahl. 4,2. Oder 5,7. Oder 78 Prozent. Und ehrlich gesagt: Ohne Kontext sagt dir das erst einmal wenig. Genau darum geht es hier. Wir zeigen dir, welcher CES-Wert wirklich gut ist, ab wann du nachjustieren solltest und warum die richtige Skala bei der Interpretation eine größere Rolle spielt, als die meisten denken. Außerdem bekommst du konkrete Anhaltspunkte, wie du deinen Wert einordnest, was typischerweise hinter einem schwachen CES-Wert steckt und wie du daran gezielt etwas änderst.

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Inhalte in diesem Artikel:

Was ist der CES-Wert überhaupt?

Der Customer Effort Score (CES) misst, wie viel Aufwand ein Kunde aus seiner Sicht hatte, um ein Anliegen mit dir oder deinem Unternehmen zu lösen. Klingt simpel, ist aber eine der ehrlichsten Kennzahlen im Kundenfeedback. Denn Aufwand ist etwas, das Kunden sehr direkt spüren – ein Formular, das nicht funktioniert, eine Hotline mit Warteschleife, ein Rückgabeprozess in drei Schritten zu viel.

Die typische CES-Frage

Die häufigste Variante lautet sinngemäß: „Wie leicht war es für dich, dein Anliegen zu lösen?" Geantwortet wird auf einer Skala. Und genau hier wird es spannend, denn die Skala entscheidet später mit, ob dein Wert „gut" oder „schlecht" ist.

Die beiden gängigen Skalen

  • 5er-Skala: 1 = sehr schwierig, 5 = sehr leicht
  • 7er-Skala: 1 = stimme überhaupt nicht zu, 7 = stimme voll und ganz zu (bezogen auf eine Aussage wie „Das Unternehmen hat es mir leicht gemacht, mein Anliegen zu lösen.")

Manche Anbieter rechnen die Antworten in einen Prozentwert um – etwa den Anteil der Top-Antworten („leicht" / „sehr leicht"). Auch das ist eine valide Darstellung, nur eben mit eigener Logik.

Warum der CES so beliebt ist

Hoher Aufwand führt nachweislich zu Frustration und Wechselbereitschaft. Der CES fragt also nicht nach Sympathie oder Begeisterung, sondern nach Reibung. Und Reibung ist messbar, vergleichbar und vor allem: konkret veränderbar.

Wenn du tiefer in die Methodik einsteigen willst, lohnt sich ein Blick auf unseren Leitfaden zur Online-Kundenbefragung, wo wir Schritt für Schritt erklären, wie Kundenfeedback strukturiert eingeholt wird.

Welcher CES-Wert ist gut – welcher schlecht?

Eine pauschale Antwort wäre unseriös. Was „gut" ist, hängt von drei Dingen ab: der verwendeten Skala, der Branche und dem Kontext der Befragung. Trotzdem gibt es belastbare Orientierungswerte, mit denen du deinen eigenen CES einordnen kannst.

Orientierung auf der 5er-Skala

Bei der klassischen 5er-Skala (Durchschnitt aller Antworten) gilt grob:

  • 4,5 bis 5,0 – sehr gut: Deine Kunden empfinden die Interaktion als nahezu mühelos. Das ist das Ziel.
  • 4,0 bis 4,4 – gut: Solide. Es gibt keine offensichtlichen Reibungspunkte, aber Verbesserungsspielraum.
  • 3,5 bis 3,9 – mittelmäßig: Hier solltest du genauer hinsehen. Etwas bremst deine Kunden, oft an einer konkreten Stelle.
  • 3,0 bis 3,4 – schwach: Es gibt ein klares Problem im Prozess. Ohne Analyse wirst du das nicht beheben.
  • unter 3,0 – schlecht: Akuter Handlungsbedarf. Kunden empfinden den Aufwand als zu hoch, was sich fast immer auf Kundentreue und Empfehlungen auswirkt.

Orientierung auf der 7er-Skala

Auf der 7er-Skala verschiebt sich das Bild, weil die Werte feiner verteilt sind:

  • 6,0 bis 7,0 – sehr gut
  • 5,3 bis 5,9 – gut
  • 4,5 bis 5,2 – verbesserungswürdig
  • unter 4,5 – schlecht

Wenn du den CES als Prozentwert berechnest

Manche werten den CES als „Anteil der zustimmenden Antworten" aus, also den Prozentsatz aller Kunden, die mit 4 oder 5 (bzw. 6 oder 7) geantwortet haben. Eine grobe Einordnung:

  • über 80 Prozent – sehr gut
  • 70 bis 80 Prozent – gut
  • 60 bis 69 Prozent – durchwachsen
  • unter 60 Prozent – Handlungsbedarf

Wichtig: Diese Spannen sind Erfahrungswerte zur Einordnung – kein offizielles Branchenrating. Sie ersetzen keine Auswertung im eigenen Unternehmenskontext und keinen Zeitvergleich.

Warum „gut" immer relativ ist

Ein CES von 4,2 bei einem Software-Anbieter mit komplexem Produkt kann hervorragend sein. Derselbe Wert in einem einfachen Onlineshop wäre eher mittelmäßig. Was wirklich zählt:

  • Wie entwickelt sich dein Wert über die Zeit?
  • Wie schneidet er an unterschiedlichen Touchpoints ab (Support, Checkout, Reklamation)?
  • Wo gibt es Ausreißer, die du erklären kannst?

Ein vergleichbarer Ansatz: Auch der NPS-Wert ist nur sinnvoll interpretierbar, wenn du ihn in Relation siehst. Die reine Zahl allein bedeutet wenig.

CES interpretieren: Was die Zahl wirklich aussagt

Ein CES-Wert ist eine Momentaufnahme. Damit aus der Zahl eine Erkenntnis wird, brauchst du Kontext. Wir empfehlen, drei Ebenen mitzudenken.

1. Der Touchpoint

Der CES bewertet immer einen konkreten Moment – einen Bestellprozess, einen Support-Kontakt, eine Stornierung. Je präziser du den Touchpoint definierst, desto handlungsrelevanter wird der Wert. Ein „globaler CES" über alle Kontakte hinweg klingt nach Übersicht, blendet aber genau das aus, was du eigentlich verändern könntest.

2. Die Stichprobe

Wenn nur fünf Kunden geantwortet haben, ist dein Wert eher ein Bauchgefühl als eine Kennzahl. Achte auf eine ausreichend große, vergleichbare Stichprobe. Wie du das einschätzt, beschreiben wir im Detail im Artikel Rücklaufquote bei Umfragen.

3. Die Verteilung

Ein Mittelwert kann täuschen. Stell dir vor, dein CES liegt bei 4,0 – das klingt gut. Schaust du in die Verteilung, antworten 60 Prozent mit „sehr leicht" und 25 Prozent mit „sehr schwierig". Da hast du faktisch zwei Kundengruppen mit völlig unterschiedlichen Erlebnissen, die du im Schnitt nicht siehst.

Praktischer Mini-Check

Frag dich nach jeder CES-Auswertung:

  • Welchen Touchpoint genau habe ich gemessen?
  • Wie viele Antworten liegen zugrunde?
  • Wie ist die Verteilung – gibt es klare Ausreißer?
  • Was unterscheidet die Kunden mit niedrigen Bewertungen von den anderen?

Erst danach ist die Zahl mehr als eine Hausnummer.

Typische Gründe für einen schlechten CES-Wert

Wenn dein CES-Wert unter den Erwartungen liegt, ist die Ursache fast nie „die Kunden". Sie liegt im Prozess. In der Praxis tauchen einige Muster immer wieder auf.

Reibung im Kontaktprozess

Lange Wartezeiten am Telefon, Tickets, die zwischen mehreren Mitarbeitenden hin- und herwandern, oder Antwortzeiten von mehreren Werktagen – das sind Klassiker, die jeden CES-Wert nach unten ziehen.

Brüche im Self-Service

Kunden versuchen gerne, ihr Anliegen selbst zu lösen. Wenn FAQ, Helpcenter oder Chatbot in der entscheidenden Frage nicht weiterhelfen und der Kunde danach trotzdem den Support kontaktieren muss, empfindet er den gesamten Vorgang als doppelten Aufwand.

Unklare Kommunikation

Schwammige Antworten, technische Sprache oder mehrere Mails für ein einziges Problem fühlen sich anstrengend an. Auch eine Antwort, die das Anliegen offenbar nicht gelesen hat, wirkt wie zusätzlicher Aufwand.

Komplizierte Prozesse

Drei Klicks zu viel im Checkout, ein Rückgabeschein, den niemand findet, oder Pflichtfelder, die nicht plausibel sind – kleine Hürden summieren sich.

Falsche Erwartungssteuerung

Wenn Kunden mit der Erwartung in den Prozess gehen, dass alles in zwei Minuten erledigt ist, der Vorgang aber faktisch länger dauert, wird der Aufwand subjektiv höher bewertet als er objektiv ist.

Ein schlechter Moment im sonst guten Prozess

Manchmal ist nicht der ganze Prozess das Problem, sondern ein einzelner Punkt – etwa der Übergang von Chatbot zu menschlichem Support, der nicht reibungslos funktioniert. Solche Punkte findest du nur in den offenen Antworten oder im Follow-up-Gespräch.

Wenn du systematisch Schwachstellen aufdecken willst, hilft dir der Überblick zu den häufigsten Fehlern bei Umfragen – damit du sicherstellst, dass nicht die Befragung selbst dein Ergebnis verzerrt.

Wie du einen schwachen CES-Wert verbesserst

Den CES zu verbessern bedeutet selten, „mehr" zu tun. Meistens bedeutet es, etwas wegzunehmen – einen Schritt, eine Wartezeit, eine Unklarheit. Hier ist ein praxisnaher Fahrplan.

Schritt 1: Daten anschauen – nicht nur den Mittelwert

Schau dir die Verteilung, die offenen Antworten und die Verteilung über Touchpoints an. Oft kristallisieren sich zwei bis drei wiederkehrende Themen heraus. Genau dort liegt deine Hebelwirkung.

Schritt 2: Den schlimmsten Engpass identifizieren

Wenn 20 Prozent deiner Kunden den Aufwand als hoch bewerten, frag dich: Was ist bei diesen Kunden anders? Anderes Produkt, anderer Kanal, anderer Zeitraum? Ein Engpass schlägt sich fast immer in einem klaren Muster nieder.

Schritt 3: Eine konkrete Stellschraube ändern

Lieber eine Verbesserung sauber umsetzen als drei gleichzeitig anpacken. Beispiele:

  • Antwortzeit im Support um einen Tag verkürzen
  • Pflichtfelder im Bestellformular reduzieren
  • FAQ-Antworten konkret machen statt allgemein
  • Rückgabeprozess auf einen Klick reduzieren

Schritt 4: Erneut messen

Nach einer Veränderung lohnt sich eine erneute, vergleichbare Befragung. Achte darauf, dass du dieselben Touchpoints und dieselbe Skala nutzt – sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.

Schritt 5: CES regelmäßig im Blick behalten

Ein CES, der einmal pro Jahr gemessen wird, ist eher Folklore als Steuerungsinstrument. Sinnvoller ist ein laufender Puls, etwa nach jedem Support-Kontakt oder jeder Bestellung.

Quick Wins, die oft mehr bringen als gedacht

  • Bestätigungs-Mails klarer formulieren
  • Direkte Antworten statt Standardphrasen
  • Eine Telefonnummer, die wirklich erreichbar ist
  • Statusinformationen proaktiv kommunizieren
  • Den Kunden nicht zweimal nach denselben Informationen fragen

Wenn du gleich eine fertige Befragung einsetzen willst, findest du auf unserer Übersicht Fragebogen-Vorlagen auch ein Muster zur Kundenzufriedenheit, das du als Ausgangspunkt nutzen kannst.

CES im Vergleich zu NPS und CSAT

Der CES ist nur eine von mehreren Kennzahlen im Kundenfeedback. Damit du ihn richtig einordnen kannst, lohnt sich der direkte Vergleich.

Was misst was?

  • CES (Customer Effort Score): Wie aufwendig war das Erlebnis?
  • NPS (Net Promoter Score): Wie wahrscheinlich ist es, dass der Kunde dich weiterempfiehlt? Mehr dazu in unserem Artikel zum Net Promoter Score.
  • CSAT (Customer Satisfaction Score): Wie zufrieden war der Kunde mit einer konkreten Interaktion?

Wann ist welcher Wert sinnvoll?

  • CES zeigt dir Reibung im Prozess. Perfekt für Support, Checkout, Onboarding.
  • NPS zeigt dir die langfristige Beziehung. Gut als Frühindikator für Loyalität und Wachstum.
  • CSAT zeigt dir die punktuelle Zufriedenheit. Geeignet für kurze Feedback-Schleifen direkt nach einer Interaktion.

Was sie nicht können

Keine dieser Kennzahlen erklärt für sich allein, warum Kunden so antworten, wie sie antworten. Den eigentlichen Erkenntnisgewinn liefern fast immer die offenen Antworten – die kurze, freie Erklärung des Kunden direkt nach der Bewertung.

Eine typische, gut funktionierende Kombination

CES nach jedem Support-Kontakt + NPS einmal pro Jahr + CSAT nach Schlüssel-Touchpoints. Damit hast du Reibung, Bindung und Zufriedenheit gleichzeitig im Blick – ohne deine Kunden mit Umfragen zu erschlagen.

Wenn du gerade dabei bist, deinen ersten CES-Fragebogen aufzusetzen, hilft dir unser Leitfaden Fragebogen erstellen bei der sauberen methodischen Grundlage.

Autor des Artikels

Marco

Marco ist Teil unseres Experten-Teams. Seit 2018 führt er erfolgreich Umfragen in Unternehmen durch und teilt seine Erfahrungen hier bei Online-Umfrage.org.

Häufige Fragen

Welcher CES-Wert gilt allgemein als gut?

Ab welchem CES-Wert sollte ich aktiv werden?

Wie wird der CES überhaupt berechnet?

Ist der CES besser als NPS oder CSAT?

Wie oft sollte ich den CES messen?

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