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Likert Skala: Definition, Beispiele & Vor- und Nachteile
Illustration einer Likert Skala mit fünf abgestuften Bewertungsfeldern, einem ausgewählten Feld und einer Skala von geringer zu hoher Zustimmung.

Likert Skala: Definition, Beispiele & Vor- und Nachteile

Aktualisiert am 
26.05.2026
Autor: 
Marco
Lesezeit: 
11 Min.

Du baust einen Fragebogen und stehst vor der Frage, wie du Meinungen, Zufriedenheit oder Zustimmung sauber abfragst? Dann landest du fast zwangsläufig bei der Likert Skala – dem wohl meistgenutzten Werkzeug, um Einstellungen messbar zu machen. Statt „Ja oder Nein“ lässt sie deine Teilnehmer abgestuft antworten, etwa von „stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll zu“.

In diesem Ratgeber zeigen wir dir, was eine Likert Skala genau ist, woher sie kommt und wie sie funktioniert. Du bekommst konkrete Beispiele für 4-, 5- und 7-stufige Skalen, lernst die wichtigsten Vor- und Nachteile kennen und erfährst, wie du die Antworten korrekt auswertest – inklusive der typischen Fehler, die in Studienarbeiten und Unternehmensbefragungen immer wieder passieren. Am Ende weißt du, wie viele Stufen für dein Projekt sinnvoll sind und worauf es bei der Formulierung wirklich ankommt.

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Inhalte in diesem Artikel:
Schaubild der Likert Skala mit 5-stufigem Beispiel von „stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll zu“ und dem Unterschied zwischen gerader und ungerader Stufenzahl.

Was ist eine Likert Skala? Definition einfach erklärt

Die Likert Skala ist ein Verfahren, mit dem du Einstellungen und Meinungen messbar machst. Die Befragten geben dabei nicht „richtig“ oder „falsch“ an, sondern wie stark sie einer Aussage zustimmen oder sie ablehnen – auf einer abgestuften Antwortskala mit mehreren Stufen.

Eine typische Aussage lautet zum Beispiel: „Der Kundenservice hat mein Anliegen schnell gelöst.“ Darunter wählst du eine von fünf Antworten – von „stimme überhaupt nicht zu“ bis „stimme voll und ganz zu“. Jeder Stufe wird im Hintergrund eine Zahl zugeordnet (z. B. 1 bis 5), damit du die Antworten später auswerten kannst.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem einzelnen Item und der eigentlichen Skala:

  • Item: eine einzelne Aussage mit ihrer Antwortskala.
  • Likert Skala: mehrere solcher Items, die zusammen ein übergeordnetes Merkmal abbilden – etwa „Kundenzufriedenheit“ oder „Arbeitszufriedenheit“.

Genau das ist der Kern der ursprünglichen Idee: Ein abstraktes Merkmal wird nicht mit einer einzigen Frage erfasst, sondern über ein Bündel von Aussagen, die gemeinsam zu einem Gesamtwert zusammengefasst werden.

Woher kommt die Likert Skala?

Entwickelt wurde das Verfahren 1932 vom US-amerikanischen Sozialpsychologen Rensis Likert. Sein Ziel war es, die Messung von Einstellungen zu vereinfachen und vergleichbar zu machen. Daher kommt auch der Name – korrekt ausgesprochen übrigens „Lick-ert“, nicht „Lei-kert“.

Likert Skala oder Ratingskala – wo ist der Unterschied?

Beide Begriffe werden oft synonym verwendet, meinen aber nicht ganz dasselbe. Eine Ratingskala ist der Oberbegriff für jede abgestufte Bewertungsskala. Die Likert Skala ist eine bestimmte Form davon: eine symmetrische Zustimmungsskala, die ein Merkmal über mehrere Aussagen misst. Vereinfacht gesagt: Jede Likert Skala ist eine Ratingskala, aber nicht jede Ratingskala ist eine Likert Skala.

Wie ist eine Likert Skala aufgebaut? Stufen und Antwortformat

Der Aufbau einer Likert Skala folgt einem klaren Muster: eine wertende Aussage und darunter eine Reihe abgestufter Antwortmöglichkeiten, die von einem Extrem zum anderen reichen. Die Stufen sind dabei sprachlich symmetrisch – auf beiden Seiten der Mitte stehen gleich viele zustimmende und ablehnende Optionen.

Die Anzahl der Stufen ist die wohl wichtigste Designentscheidung. Hier gibt es zwei Grundtypen:

Ungerade Skalen (mit Mittelpunkt)

Ungerade Skalen wie die 5-stufige oder 7-stufige Variante haben eine neutrale Mitte. Das erleichtert vielen Teilnehmern die Orientierung und bildet echte Unentschlossenheit ab.

Die Kehrseite: Die Mitte wird gerne als Fluchtkategorie genutzt, wenn jemand sich nicht festlegen will oder die Frage nicht beantworten kann. Dadurch verlierst du an Aussagekraft.

Beispiel: 5-stufige Likert Skala

„Ich finde die Bedienung der App intuitiv.“

  • 1 = stimme überhaupt nicht zu
  • 2 = stimme eher nicht zu
  • 3 = teils/teils
  • 4 = stimme eher zu
  • 5 = stimme voll und ganz zu

Beispiel: 7-stufige Likert Skala

Die 7-stufige Skala fügt zwischen den Polen und der Mitte je eine weitere Abstufung ein (z. B. „stimme weitgehend zu“ / „stimme weitgehend nicht zu“). Sie misst feiner, verlangt den Teilnehmern aber auch mehr Differenzierung ab.

Gerade Skalen (ohne Mittelpunkt)

Gerade Skalen wie die 4-stufige oder 6-stufige Variante verzichten bewusst auf die Mitte. Dadurch musst du dich für eine Tendenz entscheiden – zustimmend oder ablehnend. Das nennt man auch „forced choice“.

Beispiel: 4-stufige Likert Skala

„Wie zufrieden bist du mit dem Kundenservice?“

  • 1 = sehr unzufrieden
  • 2 = eher unzufrieden
  • 3 = eher zufrieden
  • 4 = sehr zufrieden

Wie viele Stufen sind sinnvoll?

Eine allgemeingültige „richtige“ Stufenzahl gibt es nicht – sie hängt von deinem Ziel ab. Als praktische Orientierung:

  • 5 Stufen sind der bewährte Standard: genug Differenzierung, ohne die Teilnehmer zu überfordern.
  • 7 Stufen liefern feinere Unterschiede und eignen sich, wenn du kleine Veränderungen messen willst (z. B. im Zeitvergleich).
  • 4 oder 6 Stufen erzwingen eine klare Tendenz – sinnvoll, wenn du die neutrale Mitte vermeiden möchtest.

Wichtig ist, dass du innerhalb einer Befragung möglichst einheitlich bleibst. Wer die Stufenzahl ständig wechselt, macht es den Teilnehmern unnötig schwer und riskiert Flüchtigkeitsfehler beim Antworten.

Likert Skala Beispiele: Wo du sie sinnvoll einsetzt

Die Stärke der Likert Skala liegt darin, dass sie sehr unterschiedliche „weiche“ Merkmale messbar macht. Grundsätzlich kannst du drei Dimensionen abfragen:

  • Zustimmung: von „stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll zu“.
  • Häufigkeit: von „nie“ bis „immer“.
  • Bewertung/Zufriedenheit: von „sehr unzufrieden“ bis „sehr zufrieden“.

Damit du ein Gefühl für die Praxis bekommst, hier konkrete Beispiele aus typischen Einsatzfeldern.

Kundenzufriedenheit

„Ich würde dieses Produkt einem Freund weiterempfehlen.“
(1 = stimme überhaupt nicht zu … 5 = stimme voll und ganz zu)

Solche Items sind die Basis vieler Zufriedenheitsbefragungen. Wenn du eine fertige Struktur suchst, findest du passende Fragebögen auch in unseren Fragebogen-Vorlagen zum Download.

Mitarbeiterbefragung

„Ich erhalte von meiner Führungskraft regelmäßig hilfreiches Feedback.“
(1 = trifft überhaupt nicht zu … 5 = trifft voll zu)

Hier zeigt sich die eigentliche Idee von Rensis Likert besonders gut: Statt nur einer Frage stellst du mehrere Aussagen zum Thema „Führung“ und fasst sie zu einem Gesamtwert zusammen.

Wissenschaftliche Arbeiten

In Bachelor- und Masterarbeiten ist die Likert Skala Standard, etwa um Einstellungen oder wahrgenommene Qualität zu erheben. Achte hier besonders auf eine saubere, neutrale Formulierung der Items – das spätere Auswerten steht und fällt damit. Wie du den Fragebogen insgesamt sauber aufbaust, zeigen wir dir im Ratgeber zum Fragebogen erstellen.

Abgrenzung zu anderen Fragetypen

Die Likert Skala ist eine Form der geschlossenen Frage – die Antwortoptionen sind vorgegeben. Sie ersetzt aber nicht jeden anderen Fragetyp. Wenn du wissen willst, wann sich welche Form eignet, hilft dir der Vergleich von geschlossenen Fragen mit offenen Fragen. Und wenn du eine reine Auswahl statt einer Bewertung brauchst, sind oft Multiple-Choice Fragen die bessere Wahl.

Likert Skala: Vorteile und Nachteile im Überblick

Die Likert Skala ist beliebt, weil sie einfach zu beantworten und gut auszuwerten ist. Sie hat aber auch klare Grenzen, die du kennen solltest, bevor du sie einsetzt.

Vorteile

  • Einfach für Teilnehmer: Abgestufte Zustimmung ist intuitiv und schnell zu beantworten – das hebt die Rücklaufquote.
  • Differenziert: Du erfasst nicht nur „dafür/dagegen“, sondern auch die Stärke der Meinung.
  • Gut vergleichbar: Weil jeder Stufe eine Zahl zugeordnet ist, lassen sich Gruppen und Zeitpunkte sauber vergleichen.
  • Mehrere Items, ein Wert: Durch das Zusammenfassen mehrerer Aussagen wird die Messung stabiler und weniger zufällig.

Nachteile

  • Tendenz zur Mitte: Bei ungeraden Skalen flüchten unsichere Teilnehmer gern in die neutrale Antwort.
  • Antwortverzerrungen: Manche stimmen grundsätzlich eher zu (Ja-Sage-Tendenz) oder meiden die Extreme.
  • Ordinales Skalenniveau: Die Abstände zwischen den Stufen sind nicht garantiert gleich groß – das hat Folgen für die Auswertung (dazu gleich mehr).
  • Formulierung entscheidet: Unklare oder suggestive Aussagen verzerren die Ergebnisse stark.

Unterm Strich: Die Likert Skala ist ein verlässliches Standardwerkzeug – solange du dir über das Skalenniveau im Klaren bist und die Items sauber formulierst.

Likert Skala auswerten: Median, Mittelwert und typische Fehler

Beim Auswerten einer Likert Skala entscheidet eine zentrale Frage über alles Weitere: Welches Skalenniveau hat deine Skala? Davon hängt ab, welche Kennzahlen und statistischen Tests erlaubt sind.

Ordinal oder metrisch?

Ein einzelnes Likert-Item ist streng genommen ordinal. Das heißt: Du kennst die Rangfolge der Antworten („stimme zu“ ist mehr als „teils/teils“), aber du weißt nicht, ob die Abstände zwischen den Stufen wirklich gleich groß sind.

Fasst du dagegen mehrere Items (Faustregel: mindestens vier) auf einer mindestens fünfstufigen Skala zu einem Summen- oder Mittelwert zusammen, behandeln viele Fächer diesen Gesamtwert in der Praxis als intervallskaliert (metrisch) – vorausgesetzt, die Skala ist symmetrisch formuliert und die Verteilung nicht extrem schief.

Median oder Mittelwert?

Daraus ergeben sich zwei vertretbare Positionen:

  • Streng ordinal: Du nutzt den Median und Häufigkeiten sowie nichtparametrische Tests. Mittelwerte gelten hier als unzulässig.
  • Pragmatisch metrisch: Aus einem Skalenmittelwert über mehrere Items darfst du Mittelwert und Standardabweichung berechnen – wenn du das im Methodenteil begründest.

Für einzelne Items ist der Median die sicherere Wahl. Für zusammengefasste Skalen ist der Mittelwert üblich und akzeptiert, sofern du die Voraussetzungen offenlegst.

Faustregel: Einzelnes Item → Median und Häufigkeiten. Mehrere Items zu einem Konstrukt zusammengefasst → Mittelwert ist meist vertretbar.

Wenn du Häufigkeiten oder Anteile berechnen willst, helfen dir unsere Online-Rechner, ohne dass du selbst mit Formeln jonglieren musst.

Typische Fehler beim Auswerten

  • Mittelwert ohne Begründung: Aus einem einzelnen ordinalen Item einfach einen Mittelwert zu bilden, ist angreifbar – gerade in wissenschaftlichen Arbeiten.
  • Ungleiche Abstände ignorieren: Die Annahme „der Abstand zwischen 1 und 2 ist gleich dem zwischen 4 und 5“ stimmt nicht automatisch.
  • Skala nicht symmetrisch: Wenn die Antwortstufen sprachlich unausgewogen sind, sind Mittelwerte kaum interpretierbar.
  • Methodik nicht dokumentiert: Egal welchen Weg du wählst – beschreibe ihn nachvollziehbar. In Studienarbeiten gilt: kläre die Auswertung am besten vorab mit deiner Betreuung ab.

Wie verlässlich deine Ergebnisse insgesamt sind, hängt nicht nur von der Statistik ab, sondern auch von den Gütekriterien wie Objektivität, Reliabilität und Validität.

Likert Skala erstellen: Praxis-Tipps für gute Items

Eine Likert Skala ist nur so gut wie ihre Formulierung. Mit ein paar Grundregeln vermeidest du die häufigsten Stolperfallen und bekommst Antworten, mit denen du wirklich arbeiten kannst.

Klare, eindeutige Aussagen

Formuliere jedes Item als kurze, eindeutige Aussage. Vermeide doppelte Verneinungen und „und/oder“-Konstruktionen, bei denen zwei Dinge auf einmal abgefragt werden („Der Service war schnell und freundlich“). Solche Doppel-Items kann niemand sauber beantworten.

Symmetrisch und ausgewogen formulieren

Die Antwortstufen sollten sprachlich symmetrisch sein: gleich viele zustimmende wie ablehnende Optionen, mit ausgewogenen Begriffen. Vermeide suggestive Formulierungen, die in eine Richtung schubsen.

Mitte bewusst wählen

Entscheide aktiv, ob du eine neutrale Mitte anbietest. Brauchst du echte Tendenzen, nimm eine gerade Skala. Willst du Unentschlossenheit zulassen, ist eine ungerade Skala besser. Beides ist legitim – Hauptsache, es passt zu deinem Ziel.

Konsistent bleiben und vorab testen

Nutze innerhalb einer Befragung möglichst durchgängig dieselbe Skala (z. B. überall 5-stufig). Und teste deinen Fragebogen vor dem Versand an wenigen Personen – ein kurzer Pretest deckt missverständliche Items zuverlässig auf.

Technisch umsetzen lassen sich Likert-Fragen in praktisch jedem Umfragetool. Wenn du noch keins hast, hilft dir unser Umfrage-Tools Vergleich bei der Auswahl.

Autor des Artikels

Marco

Marco ist Teil unseres Experten-Teams. Seit 2018 führt er erfolgreich Umfragen in Unternehmen durch und teilt seine Erfahrungen hier bei Online-Umfrage.org.

Häufige Fragen

Was ist eine Likert Skala einfach erklärt?

Wie viele Stufen sollte eine Likert Skala haben?

Was ist der Unterschied zwischen gerader und ungerader Likert Skala?

Ist eine Likert Skala ordinal oder metrisch?

Likert Skala auswerten: Median oder Mittelwert?

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