
Kostenlose Vorlage: Interviewleitfaden / Experteninterview
Ein guter Interviewleitfaden ist der Unterschied zwischen einem Gespräch, in dem du am Ende kluge Antworten in der Hand hast, und einem, bei dem du nach dem Aufnahmeknopf merkst: „Das Wichtigste habe ich gar nicht gefragt.“ Egal, ob du ein Experteninterview für deine Bachelorarbeit führst, im Job qualitative Insights von Kundinnen und Kunden sammelst oder Bewerbungsgespräche strukturierter führen willst – eine klare Vorlage für den Interviewleitfaden gibt dir Halt und lässt trotzdem Raum für überraschende Antworten.
Wir zeigen dir, wie du einen Interviewleitfaden Schritt für Schritt aufbaust, welche Fragen wirklich gute Daten liefern und welche Fehler du vermeiden solltest. Außerdem findest du weiter unten eine kostenlose Vorlage zum Download, die du direkt für dein nächstes Experteninterview anpassen kannst.
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- Was ist ein Interviewleitfaden – und wann brauchst du einen?
- Vorlage Interviewleitfaden: Download und Einsatz
- Aufbau eines guten Interviewleitfadens: Schritt für Schritt
- Gute Fragen für deinen Interviewleitfaden
- Typische Fehler beim Interviewleitfaden – und wie du sie vermeidest
- Experteninterview: Was im Leitfaden anders ist
Was ist ein Interviewleitfaden – und wann brauchst du einen?
Ein Interviewleitfaden ist ein vorbereitetes Dokument, in dem du deine Themen, Fragen und Hinweise für das Gespräch festhältst. Du legst damit fest, was du wissen willst, in welcher Reihenfolge du fragst und wo du gegebenenfalls nachhakst. Der Leitfaden ist also weniger ein starres Skript, sondern eher dein roter Faden – vor allem bei halbstrukturierten Interviews und beim klassischen Experteninterview.
Gerade in der qualitativen Forschung ist ein Leitfaden Pflicht, weil er deine Ergebnisse nachvollziehbar und vergleichbar macht. Aber auch im beruflichen Alltag macht er den Unterschied: Du wirkst vorbereitet, vergisst keine wichtigen Punkte und kannst dich auf dein Gegenüber konzentrieren, statt im Kopf nach der nächsten Frage zu suchen.
Wann lohnt sich ein Interviewleitfaden besonders?
- Bei Experteninterviews für Studium, Bachelor- oder Masterarbeit
- Bei qualitativen Kundeninterviews (z. B. Produktentwicklung, UX, Marktforschung)
- Bei Mitarbeitergesprächen, Exit-Interviews und Onboarding-Feedback
- Bei strukturierten Bewerbungsgesprächen, in denen du Kandidatinnen und Kandidaten fair vergleichen willst
- Bei journalistischen Hintergrundgesprächen oder Recherche-Interviews
Strukturiert, halbstrukturiert oder offen?
Bevor du deinen Leitfaden schreibst, solltest du dich entscheiden, wie streng du dem Plan folgen willst. Es gibt grob drei Varianten:
- Strukturiertes Interview: Alle Fragen stehen vorher fest, in fester Reihenfolge, meist mit geschlossenen Antwortoptionen. Vorteil: maximale Vergleichbarkeit. Nachteil: wenig Raum für Tiefe.
- Halbstrukturiertes Interview: Du arbeitest mit einem Leitfaden, darfst aber jederzeit nachfragen, die Reihenfolge ändern oder Themen überspringen. Das ist der Klassiker für Experteninterviews.
- Unstrukturiertes Interview: Du hast nur ein Thema und ein paar Stichworte. Das Gespräch entwickelt sich frei. Sinnvoll, wenn du ein Feld erst explorativ erkunden willst.
Welche Variante zu dir passt, hängt davon ab, ob du eher in die Breite (Vergleichbarkeit) oder in die Tiefe (Verständnis) willst. Mehr Hintergrund dazu findest du im Artikel zu persönlichen Befragungen.
Vorlage Interviewleitfaden: Download und Einsatz
Damit du nicht bei null anfängst, kannst du dir unsere kostenlose Vorlage für einen Interviewleitfaden direkt auf dieser Seite herunterladen. Sie ist in Word angelegt, also editierbar, und enthält schon die wichtigsten Blöcke: Einstieg, Hauptteil und Abschluss. Du musst nur deine Themen und Fragen einsetzen.
Die Vorlage eignet sich für Experteninterviews ebenso wie für Kunden- oder Mitarbeitergespräche. Wenn du mehrere Befragungen vergleichen willst, halte den Aufbau zwischen den Gesprächen identisch – nur die offenen Nachfragen passt du an.
So nutzt du die Vorlage am besten
- Ziel präzisieren: Schreibe in einem Satz auf, was du am Ende konkret wissen willst. Das verhindert Fragen, die zwar interessant, aber irrelevant sind.
- Blöcke füllen: Trage deine Themen in den Hauptteil ein. Pro Themenblock 3 bis 5 Fragen reichen meist aus.
- Hauptfragen markieren: Kennzeichne, welche Fragen „Muss“ sind und welche du nur stellst, wenn noch Zeit bleibt.
- Probelauf: Geh den Leitfaden einmal laut durch oder teste ihn mit einer Person aus deinem Umfeld. Du hörst sofort, wo Fragen holprig klingen.
Brauchst du noch eine andere Vorlage – z. B. für Mitarbeiterzufriedenheit, Kundenzufriedenheit oder einen Fragebogen für deine Bachelor- oder Masterarbeit? Schau einfach in unserer Vorlagen-Übersicht vorbei.
Aufbau eines guten Interviewleitfadens: Schritt für Schritt
Ein Leitfaden lebt nicht von der Menge der Fragen, sondern von ihrer Reihenfolge. Du willst dein Gegenüber abholen, langsam in die Tiefe gehen und am Ende einen sauberen Ausstieg haben. Bewährt hat sich diese Struktur:
1. Einstieg und Warm-up
Begrüßung, kurze Erklärung des Themas, Hinweis zur Aufzeichnung und zum Datenschutz. Danach 1 bis 2 einfache Einstiegsfragen, mit denen sich dein Gegenüber locker fühlt. Klassiker: „Erzähl mir kurz, was du beruflich machst und wie du zu dem Thema gekommen bist.“
2. Hauptteil mit Themenblöcken
Gliedere deinen Hauptteil in 3 bis 5 Themenblöcke. Innerhalb jedes Blocks gehst du vom Allgemeinen ins Spezielle. Beispiel für ein Experteninterview zum Thema Onlinemarketing:
- Block 1: Allgemeine Einschätzung der Branche
- Block 2: Konkrete Erfahrungen im eigenen Unternehmen
- Block 3: Werkzeuge und Methoden
- Block 4: Trends und Prognosen
Innerhalb der Blöcke nutzt du Haupt- und Nachfragen. Hauptfragen sind die, die du auf jeden Fall stellen willst. Nachfragen helfen dir, in die Tiefe zu kommen – etwa „Kannst du mir ein konkretes Beispiel geben?“ oder „Woran hast du das gemerkt?“.
3. Heikle Fragen erst spät
Schwierige, persönliche oder kritische Fragen gehören in die hintere Hälfte. Bis dahin habt ihr Vertrauen aufgebaut, und das Risiko, dass dein Gegenüber zumacht, ist geringer.
4. Abschluss
Lass am Ende Raum für eine offene Schlussfrage: „Gibt es etwas, das ich nicht gefragt habe, das aber wichtig wäre?“ Diese eine Frage liefert oft die besten Zitate – weil sie nicht von dir gelenkt sind. Danach: Dank, Hinweis auf das weitere Vorgehen, gegebenenfalls Frage nach weiteren Kontakten.
5. Zeitplanung
Plane realistisch. Für ein Experteninterview sind 45 bis 60 Minuten ein guter Rahmen. Rechne pro Themenblock etwa 10 Minuten und lass 5 Minuten Puffer am Ende.
Gute Fragen für deinen Interviewleitfaden
Die Qualität deiner Ergebnisse hängt direkt an der Qualität deiner Fragen. Eine schlecht formulierte Frage liefert dir eine schlecht formulierte Antwort – und die kannst du in der Auswertung kaum gebrauchen.
Offen statt geschlossen
Im Leitfadeninterview willst du Geschichten, Begründungen und Beispiele hören. Deshalb arbeitest du überwiegend mit offenen Fragen. Sie beginnen typischerweise mit „Wie“, „Warum“, „Was“ oder „Erzähl mir von …“. Geschlossene Fragen („Hast du …?“, „Findest du …?“) sind in Ordnung als Einstieg in ein Unterthema, sollten aber nicht den Hauptteil dominieren.
Konkret statt abstrakt
Statt „Wie wichtig ist Ihnen Nachhaltigkeit?“ lieber „Erzähl mir von einer Situation, in der du dich aktiv für eine nachhaltige Variante entschieden hast.“ Konkrete Fragen führen zu konkreten Antworten.
Neutral statt suggestiv
Vermeide Formulierungen, die schon eine Bewertung enthalten. „Finden Sie nicht auch, dass …“ oder „Warum ist es wichtig, dass …“ führen zu Antworten, die deine eigene Meinung zurückspiegeln. Frag stattdessen offen, z. B. „Wie bewertest du das?“.
Beispielhafte Fragetypen
- Erfahrungsfragen: „Erzähl mir von deinem letzten großen Projekt zum Thema X.“
- Meinungs- und Bewertungsfragen: „Wie schätzt du die Entwicklung von X in den nächsten 2 Jahren ein?“
- Wissens- und Sachfragen: „Welche Methoden setzt ihr in eurer Abteilung dafür ein?“
- Hypothetische Fragen: „Angenommen, du hättest unbegrenztes Budget – was würdest du als Erstes ändern?“
- Nachfragen: „Kannst du das an einem Beispiel erklären?“, „Was meinst du genau mit …?“
Eine Frage pro Frage
Doppelfragen sind ein klassischer Fehler: „Wie läuft euer Onboarding und was würdest du daran ändern?“ Dein Gegenüber wird sich auf einen Teil konzentrieren – meist den letzten. Stell die zwei Fragen lieber nacheinander.
Typische Fehler beim Interviewleitfaden – und wie du sie vermeidest
Auch erfahrene Interviewerinnen und Interviewer tappen immer wieder in dieselben Fallen. Die gute Nachricht: Die meisten Fehler lassen sich mit ein bisschen Vorbereitung leicht vermeiden.
- Zu viele Fragen: Ein Leitfaden mit 40 Fragen klingt nach Sicherheit, führt aber dazu, dass du hetzt und nicht zuhörst. Lieber 10 bis 15 starke Fragen plus Nachfragen.
- Suggestive Sprache: Worte wie „natürlich“, „klar“ oder „sicher auch“ lenken die Antwort. Streich sie aus deinen Fragen.
- Fachjargon ohne Erklärung: Wenn du Begriffe verwendest, die dein Gegenüber nicht nutzt, bekommst du Antworten, die an der Realität vorbeigehen.
- Kein Probelauf: Lies den Leitfaden mindestens einmal laut. Du hörst sofort, welche Fragen umständlich klingen.
- Starres Abarbeiten: Der Leitfaden ist eine Stütze, kein Drehbuch. Wenn jemand etwas Spannendes sagt, darfst und sollst du nachhaken.
- Datenschutz und Aufzeichnung vergessen: Hol dir vor der Aufnahme aktiv die Zustimmung. Halte das schriftlich oder zu Beginn der Aufzeichnung fest.
- Auswertung nicht mitgedacht: Überlege dir schon beim Schreiben, wie du die Antworten später strukturieren willst. Das prägt, wie du Fragen formulierst.
Mini-Checkliste vor jedem Interview
- Ziel des Interviews in einem Satz formuliert
- Leitfaden in Blöcke gegliedert, Hauptfragen markiert
- Aufnahmegerät und Backup getestet
- Datenschutz- und Einwilligungstext griffbereit
- Pufferzeit am Ende eingeplant
- Notizblock für Ideen und Folgefragen bereit
Experteninterview: Was im Leitfaden anders ist
Ein Experteninterview unterscheidet sich von einer normalen Befragung vor allem in zwei Punkten: Die Person, mit der du sprichst, hat oft mehr Fachwissen zum Thema als du – und sie hat in der Regel wenig Zeit. Beides solltest du in deinem Leitfaden berücksichtigen.
Vorbereitung ist Pflicht
Lies dich vorab grob in das Fachgebiet ein. Du musst keine Expertin oder kein Experte werden, aber du solltest die wichtigsten Begriffe sicher verwenden. Sonst verlierst du Glaubwürdigkeit und damit Antworttiefe.
Fragen, die Expertenwissen anzapfen
Stelle Fragen, die nur deine Gesprächsperson beantworten kann – nicht solche, die du auch googeln könntest. Statt „Was ist NPS?“ lieber „Wie nutzt ihr den NPS in eurer Steuerung, und welche Schwachstellen siehst du daran?“.
Zeit klar kommunizieren
Sag zu Beginn, wie viel Zeit ihr habt, und halte dich daran. Wenn du spürst, dass das Gespräch länger laufen könnte, frag aktiv nach: „Hast du noch 10 Minuten oder sollen wir hier abschließen?“
Auswertung und Zitate
Für wissenschaftliche Arbeiten ist es üblich, die Interviews zu transkribieren und mit einer Methode wie der qualitativen Inhaltsanalyse auszuwerten. Plane diesen Schritt von Anfang an ein – ein Interview produziert schnell 10 bis 15 Seiten Transkript. Hintergrund zum Forschungskontext findest du im Beitrag zur empirischen Vorgehensweise.
Auf einen Blick: strukturiert vs. halbstrukturiert vs. offen
- Strukturiert: Maximale Vergleichbarkeit, geringe Tiefe – sinnvoll bei vielen Interviews mit ähnlicher Zielgruppe.
- Halbstrukturiert: Der Standard für die meisten Experteninterviews – gute Mischung aus Struktur und Flexibilität.
- Offen: Empfehlenswert nur, wenn du ein Feld erst explorativ erkunden willst und genug Zeit für die Auswertung hast.
Wenn du dein Interview nicht persönlich, sondern aus der Ferne führen willst, hilft dir der Beitrag zum Aufbau einer Online-Umfrage mit den wichtigsten Strukturregeln weiter.
Doch lieber eine Online-Umfrage?
Eine Online-Umfrage bietet den Vorteil, dass dir die Antworten der Befragten direkt online zur Verfügung stehen. Du musst die eingesammelten Antworten nicht aufwändig erfassen und auswerten, wie es bei einem Papier-Fragebogen der Fall ist. Daher empfehlen wir dir, dass du die Befragungsmethode kritisch prüfen solltest: Ist es vielleicht nicht doch sinnvoller, eine Online-Umfrage durchzuführen? Kann ich meinen Befragten die Fragen nicht doch online zur Verfügung stellen?
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Wenn du über eine Online-Umfrage nachdenkst, kannst du dir den Artikel Umfrage-Anbieter im Vergleich anschauen. Hier zeigen wir dir die Umfrage-Tools auf, die du zum Erstellen einer Online-Umfrage nutzen kannst.

Marco
Marco ist Teil unseres Experten-Teams. Seit 2018 führt er erfolgreich Umfragen in Unternehmen durch und teilt seine Erfahrungen hier bei Online-Umfrage.org.
Häufige Fragen
Was gehört in einen Interviewleitfaden?
In einen guten Interviewleitfaden gehören ein kurzer Einstieg mit Warm-up-Fragen, 3 bis 5 Themenblöcke im Hauptteil mit Haupt- und Nachfragen, mindestens eine offene Schlussfrage sowie organisatorische Hinweise zu Aufzeichnung, Datenschutz und ungefährer Dauer.
Wie viele Fragen sollte ein Interviewleitfaden enthalten?
Als Faustregel funktionieren 10 bis 15 Hauptfragen für ein Interview von 45 bis 60 Minuten gut. Wichtiger als die Anzahl sind klare Themenblöcke und vorbereitete Nachfragen, mit denen du gezielt in die Tiefe gehen kannst.
Was ist der Unterschied zwischen strukturiertem und halbstrukturiertem Interview?
Beim strukturierten Interview stehen alle Fragen vorher fest und werden in fester Reihenfolge gestellt, was maximale Vergleichbarkeit erzeugt. Beim halbstrukturierten Interview arbeitest du mit einem Leitfaden, kannst aber die Reihenfolge ändern und individuell nachfragen – das ist der Standard für Experteninterviews.
Wie schreibe ich gute Fragen für ein Experteninterview?
Gute Fragen sind offen, konkret und neutral formuliert. Sie zielen auf Erfahrungen, Beispiele und Begründungen ab und zapfen Fachwissen an, das nicht einfach recherchierbar ist. Vermeide Doppelfragen, Suggestivfragen und Fachjargon, den dein Gegenüber selbst nicht nutzt.
Brauche ich für ein Interview eine Einwilligung zur Aufzeichnung?
Ja. Aufzeichnungen von Interviews sind personenbezogene Daten. Hol dir vor der Aufnahme aktiv die Zustimmung der befragten Person und halte sie schriftlich oder am Beginn der Aufnahme fest. Erkläre kurz, wofür du die Daten nutzt und wie lange du sie speicherst.
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